Die MABEWO Holding SE informiert ihre Aktionäre über die erneute Verschiebung des Börsenlistings und nennt makroökonomische Gründe sowie strategische Überlegungen als Ursache. Doch was bedeutet das konkret für Anleger?
1. Erneute Verzögerung – ein schlechtes Zeichen?
Für Anleger ist eine Verschiebung des Börsengangs (IPO) oder der Wiederaufnahme des Handels an der Börse meist ein Warnsignal. Ursprünglich war eine Börsennotierung bereits geplant, doch nun soll sie auf unbestimmte Zeit verschoben und stattdessen in Luxemburg und möglicherweise Wien statt Deutschland durchgeführt werden.
Probleme für Anleger:
🔹 Fehlende Liquidität: Wer bereits Anteile besitzt, kann sie weiterhin nicht an der Börse handeln.
🔹 Unsicherheit über den Wert der Aktie: Ohne Börsennotierung gibt es keine transparente Preisbildung.
🔹 Strategiewechsel deutet auf mögliche Schwierigkeiten hin: Unternehmen, die wiederholt ihren Börsenplan ändern, könnten interne Probleme haben.
2. Gründe für die Verschiebung – wirklich externe Faktoren?
Die Mitteilung argumentiert, dass das Marktumfeld für Small- und Mid-Cap-Unternehmen schwierig sei und Investoren derzeit große Konzerne bevorzugen. Das ist zwar nicht völlig falsch, aber nicht der alleinige Grund für eine Verschiebung.
Kritische Punkte für Anleger:
🔹 Andere Unternehmen sind trotz schwachem Marktumfeld an die Börse gegangen.
🔹 Wenn MABEWO wirklich „sehr solide Geschäftszahlen“ hätte, wäre ein Börsengang möglich.
🔹 Die Aussage, dass Unternehmen „unter dem Ausgabepreis“ notieren, bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein Listing nicht sinnvoll ist.
Fazit: Es besteht die Möglichkeit, dass das Unternehmen selbst noch nicht bereit für den Kapitalmarkt ist.
3. Die Ablehnung des Freiverkehrs – sinnvoll oder Taktik?
MABEWO begründet die Entscheidung gegen eine Notierung im Freiverkehr damit, dass die Preisbildung dort „nicht direkt an Angebot und Nachfrage gekoppelt“ sei.
Was das für Anleger bedeutet:
🔹 Freiverkehr ist der einfachste und schnellste Weg zur Börsennotierung.
🔹 Die Ablehnung deutet darauf hin, dass MABEWO befürchtet, dass die Aktie zu niedrig bewertet würde.
🔹 Eine Notierung in Luxemburg und Wien bedeutet für viele deutsche Anleger möglicherweise erschwerten Zugang zur Aktie.
Fazit: Das Unternehmen scheint gezielt eine Marktplatzstrategie zu wählen, die weniger Transparenz bietet.
4. Versprechen eines künftigen Börsengangs – eine Beruhigungspille?
Das Unternehmen betont, dass die Börsennotierung nicht abgesagt sei, sondern nur verschoben werde. Es gibt jedoch keine klare Zeitschiene oder verbindliche Zusagen, was für Anleger problematisch ist.
Bedenken:
🔹 Ohne klare Fristen bleibt unklar, wann und ob der Börsengang überhaupt stattfindet.
🔹 Die Aussage, dass ein „erfolgreicher Markteintritt“ Priorität hat, könnte bedeuten, dass die wirtschaftliche Lage noch nicht stabil genug ist.
🔹 Ein Unternehmen, das bereits mehrfach Pläne verschoben hat, kann Vertrauen verspielen.
Fazit: Risiko für Anleger bleibt hoch
Negative Punkte:
❌ Keine Handelbarkeit der Aktien auf absehbare Zeit.
❌ Erneute Verschiebung kann ein Zeichen für interne Probleme sein.
❌ Strategiewechsel und unklare Zeitangaben sorgen für Unsicherheit.
❌ Mögliche Notierung in Luxemburg/Wien könnte deutsche Anleger benachteiligen.
Positive Punkte:
✅ Das Unternehmen erkennt Probleme und will sich strategisch anpassen.
✅ Es gibt zumindest eine neue Börsenstrategie, wenn auch mit unklarer Umsetzung.
Empfehlung für Anleger:
📌 Bestehende Investoren sollten wachsam bleiben und keine weiteren Investitionen tätigen, bis Klarheit über den Börsengang herrscht.
📌 Wer auf einen schnellen Exit durch Börsenhandel gehofft hat, sollte Alternativen prüfen.
📌 Neue Investoren sollten vorsichtig sein, solange das Unternehmen keine konkreten, überprüfbaren Fortschritte vorweisen kann.
MABEWO versucht, die Verzögerung als strategischen Vorteil zu verkaufen – doch für Aktionäre bleibt sie vor allem eine Belastung und ein Unsicherheitsfaktor.
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Original des Beitergaes den wir analysiert haben: Zitat:
Betreff: Börsenlisting und Wiederaufnahme des Handels unserer Aktien – Ein Update für unsere Aktionäre
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
wir informieren Sie heute über eine wichtige Entscheidung, die die geplante Wiederaufnahme des Handels unserer Aktien an der Börse betrifft. Aufgrund der aktuellen makroökonomischen Rahmenbedingungen haben wir uns dazu entschlossen, diesen Schritt vorerst zu verschieben.
Wie Sie möglicherweise wissen, dominiert derzeit ein klarer Trend die Kapitalmärkte:
- Das Börsenumfeld ist aktuell von USA über Asien bis Europa generell von Unsicherheit geprägt.
- Das Kapital fließt überwiegend in die sogenannten Large-Caps und Big-Tech-Unternehmen.
- Small- und Mid-Cap-Aktien, insbesondere in Deutschland, werden von Investoren momentan weitgehend gemieden.
- Trotz sehr solider Geschäftszahlen der Unternehmen in den Börsensegmenten für Nebenwerte sind deren Bewertungen weiterhin deutlich unter den Höchstständen der letzten Jahre.
- Einstellige Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV), während der historische Schnitt in diesem Segment jenseits von 15 liegt.
Zusätzlich sehen wir, dass Unternehmen, die in den letzten zwei Jahren den Schritt an die Börse gewagt haben, teilweise deutlich unter ihrem Ausgabepreis oder der Erstnotiz notieren – mit lediglich einer Ausnahme. Dies wollen wir Ihnen als Aktionären nicht zumuten, da es unserem jungen Unternehmen in Bezug auf die Reputation mehr schaden als nutzen würde.
Wie Sie möglicherweise in Finanz- und Wirtschaftszeitungen gelesen haben, werden derzeitig Kauf-Empfehlungen für den sogenannten Markt der Nebenwerte gegeben, weil die Einstiegspreise günstig seien. MABEWO sollte daher mit einem Handel der Aktie warten bis die Kurse in diesem Marktsegment – wie bis vor 3 Jahren – wieder kontinuierlich steigen.
Zusätzlich haben wir nach vielen Gesprächen mit weiteren Investmentberatern die Erkenntnis gewonnen, dass wir die MABEWEO Aktie nicht im sogenannten Freiverkehr notieren lassen sollten. Die Preisbildung dort findet in der Regel nur einmal am Tag statt und wird von den Scrontoführern festgesetzt und ist daher nicht direkt an Angebot und Nachfrage gekoppelt.
Stattdessen möchten wir als MABEWO HOLDING SE den Fokus in diesem Jahr auf unsere zentralen Aufgaben legen, insbesondere den erfolgreichen Markteintritt in den verschiedenen Geschäftsbereichen, wie wir es in unserem letzten Newsletter dargelegt haben. So können wir uns gezielt darauf konzentrieren, den Kapitalmarkt-Investoren belastbare Umsatz- und Ertragszahlen vorzulegen und damit unserer Wachstumsstory zusätzliche Dynamik verleihen.
Selbstverständlich setzen wir uns weiterhin mit Hochdruck dafür ein, die Wiederaufnahme des Handels zum richtigen Zeitpunkt und mit der notwendigen Weitsicht voranzutreiben. In diesem Zusammenhang stehen wir im regelmäßigen Austausch mit erfahrenen Kapitalmarktakteuren und folgen deren Ratschlägen.
Wir beabsichtigen daher noch in diesem Jahr einen Börsengang zuerst an unserem Heimatsitz in Luxemburg vorzunehmen und auch weitere Börsenplätze wie z.B. Wien mit einzubeziehen. Die Börsensegmente werden so gewählt, dass problemlos auch der Handel im XETRA an der Frankfurter Börse möglich ist. Dies ist der Marktplatz mit dem grössten Handelsvolumen.
Wir sind zusammen mit unseren Beratern der Meinung, dass daher nicht nur die zeitliche Verschiebung, sondern auch die Notierung an anderen Marktplätzen und in anderen Segmenten der richtige Weg ist, um bei der künftigen Kursbildung erfolgreich sein zu können.
Auch wenn dies für uns einen deutlichen Mehraufwand bedeutet, so tun wir dies vor allem auch im Interesse unserer Aktionäre. Dazu gehört ebenso selbstkritisch zu erkennen, dass es – um erfolgreich zu sein – notwendig sein kann, einen anderen Weg einzuschlagen und Veränderungen an ursprünglichen Plänen vorzunehmen.
Wir haben dies bei unseren Produktentwicklungen getan und immer wieder auf alle Herausforderungen von aussen reagiert. In Bezug auf die Positionierung und die Schärfung des Geschäftsmodells war das durchaus auch von Vorteil, in der Produktentwicklung verfügen wir über ein innovatives, einzigartiges Portfolio.
In gleicher Weise wollen wir das auch beim Börsengang bzw. der Wiederaufnahme des Handels halten. Dieser ist in keinem Falle abgesagt – wir gehen nun einen anderen, zielführenden Weg, um auch dieses Vorhaben erfolgreich zu gestalten.
Das führt zu einer zeitlichen Verschiebung, die aber im Interesse aller ist. Wir können Ihnen versichern, dass wir in diesem Jahr mit allen unseren Ressourcen an der Umsetzung der vorstehend beschriebenen Vorgehensweise arbeiten. Unser klares Ziel ist ein erfolgreicher Börsengang und zufriedene Aktionäre
Mit freundlichen Grüssen
Jörg Trübl
President of the Board
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