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Aimondo AG-„Anleger müssen genau hinsehen“ – Rechtsanwalt Michael Iwanow über Aimondo AG

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Redaktion: Herr Iwanow, die Aimondo AG stellt sich als führendes Unternehmen im Bereich KI-gestützte Wettbewerbsanalysen und Preisoptimierung für den eCommerce dar. Ist das Unternehmen aus Investorensicht eine attraktive Wahl?

Michael Iwanow: Aimondo präsentiert sich vielversprechend, aber Anleger sollten genauer hinsehen. Das Unternehmen ist in einem spannenden, aber stark umkämpften Markt tätig. Preisoptimierung durch Künstliche Intelligenz ist ein Wachstumsfeld, doch es gibt bereits große, etablierte Konkurrenten, gegen die sich Aimondo erst behaupten muss.

Zudem sind einige der werblichen Aussagen von Aimondo sehr optimistisch formuliert. Begriffe wie „weltweit führend“ oder „praktisch unbegrenzte Systemarchitektur“ klingen ambitioniert, aber es fehlt an konkreten Vergleichszahlen und unabhängigen Nachweisen, die die Marktstellung belegen.

Kapitalstruktur: Ein Nachteil für Investoren?

Redaktion: Aimondo setzt auf eine Kapitalstruktur mit Stammaktien und Vorzugsaktien (Genussscheine). Was bedeutet das für Anleger?

Michael Iwanow: Das ist ein kritischer Punkt. Durch diese Struktur wird der operative Einfluss von Investoren stark eingeschränkt. Das Unternehmen schützt sich also bewusst vor Einmischung durch Kapitalgeber, die nicht aus der Branche kommen.

Das kann sinnvoll sein, wenn es um eine klare Unternehmensstrategie geht, bedeutet aber auch, dass Investoren nur sehr begrenzt Mitspracherecht haben. Wer hier investiert, muss darauf vertrauen, dass das Management allein die richtigen Entscheidungen trifft – ohne Kontrolle durch Großinvestoren oder einen aktiven Aufsichtsrat.

Ich rate Anlegern dringend dazu, sich die genauen Bedingungen der Vorzugsaktien anzusehen:
🔹 Welche Dividendenregelungen gibt es?
🔹 Wie sieht die Exit-Strategie aus?
🔹 Welche Rechte haben Investoren überhaupt?

Wenn Investoren kein Mitspracherecht, keine festen Ausschüttungen und keinen klaren Exit-Plan haben, sollte man sich fragen, ob das Investment langfristig sinnvoll ist.

Technologie und Marktumfeld: Konkurrenzdruck und Wachstumsrisiken

Redaktion: Aimondo beschreibt sich als technologisch führend. Ist das realistisch?

Michael Iwanow: Aimondo operiert in einem sehr kompetitiven Bereich. Dynamische Preisoptimierung durch Künstliche Intelligenz ist keine neue Idee – es gibt große Player wie Google, Amazon und spezialisierte SaaS-Anbieter, die bereits Marktanteile gesichert haben.

Aimondo spricht von einer „weltweit einzigartigen Lösung“, aber ohne unabhängige Vergleiche oder Kundenreferenzen bleibt das reine Eigenwerbung. Anleger sollten sich fragen:
🔹 Wie groß ist die tatsächliche Marktakzeptanz?
🔹 Welche konkreten Erfolge gibt es bei namhaften Kunden?
🔹 Wie nachhaltig ist das Geschäftsmodell, wenn große Player ebenfalls KI-Lösungen entwickeln?

Auch der Ansatz, weltweit Entwickler zu beschäftigen und Module in der Cloud zusammenzusetzen, ist kein Alleinstellungsmerkmal – das ist in der Softwarebranche Standard.

Finanzielle Sicherheit: Solide Basis oder Marketingfloskel?

Redaktion: Aimondo betont, dass das Unternehmen finanziell solide aufgestellt ist. Wie bewerten Sie das?

Michael Iwanow: Es ist auffällig, dass Aimondo keine konkreten Zahlen zur finanziellen Lage nennt. Aussagen wie „wir verfügen über die finanziellen Mittel zur Expansion“ sind wertlos, wenn keine Bilanzen, Umsatzzahlen oder Finanzierungsquellen offengelegt werden.

Ein gesundes Unternehmen sollte klare Finanzberichte liefern, damit Investoren nachvollziehen können:
🔹 Wie viel Umsatz wird generiert?
🔹 Welche Gewinne oder Verluste entstehen?
🔹 Wie sieht die Finanzierung der Expansion aus?

Solange diese Transparenz fehlt, sollten Anleger vorsichtig sein. Gerade in der Tech-Branche gibt es viele Unternehmen, die mit ambitionierten Visionen Investoren locken, aber finanziell nicht langfristig tragfähig sind.

Standortvorteile: Wirklich entscheidend?

Redaktion: Aimondo hebt die Schweiz als idealen Unternehmenssitz hervor. Sehen Sie das als Vorteil?

Michael Iwanow: Die Schweiz ist ohne Frage ein stabiler Wirtschaftsstandort mit gutem Datenschutz und solider Rechtssicherheit. Aber für ein Software-Unternehmen ist der Standort allein kein Wettbewerbsvorteil.

🔹 Kunden interessieren sich für die Technologie, nicht für den Firmensitz.
🔹 Investoren brauchen handfeste Zahlen, keine Standort-Romantik.
🔹 Regulierungen in verschiedenen Märkten sind entscheidender als der Firmensitz.

Fazit: Lohnt sich Aimondo für Anleger?

Redaktion: Herr Iwanow, was raten Sie Anlegern, die über ein Investment in Aimondo nachdenken?

Michael Iwanow: Aimondo könnte ein interessantes Unternehmen sein – aber es gibt viele offene Fragen. Investoren sollten sich nicht von großen Versprechen und Marketing-Slogans blenden lassen, sondern harte Fakten einfordern.

🔹 Wie genau finanziert sich das Wachstum?
🔹 Gibt es belastbare Geschäftszahlen?
🔹 Welche Kunden nutzen die Technologie?
🔹 Wie unterscheidet sich Aimondo tatsächlich von der Konkurrenz?

Bis diese Fragen klar und transparent beantwortet sind, würde ich Anlegern raten, vorsichtig zu bleiben und genau zu prüfen, ob Aimondo wirklich eine nachhaltige Investition ist – oder nur eine gut verpackte Vision.

Redaktion: Herr Iwanow, vielen Dank für die ehrliche Einschätzung!

Michael Iwanow: Sehr gerne!

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