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„Hohe Gewinne ohne Risiko? Ein kritischer Blick auf SabioTrade“ Interview mit Rechtsanwalt Michael Iwanow aus Dresden

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Interview mit Rechtsanwalt Michael Iwanow aus Dresden


Frage: Herr Iwanow, SabioTrade wirbt mit der Möglichkeit, mit einem finanzierten Konto zu handeln und bis zu 90 % der Gewinne zu behalten. Was halten Sie von diesem Angebot?

Michael Iwanow: Auf den ersten Blick könnte das durchaus verlockend klingen: Man würde eine einmalige Gebühr zahlen, angeblich ein großes Handelskapital zur Verfügung gestellt bekommen und könnte hohe Gewinne erzielen. Doch genau hier müsste man skeptisch werden. Wer würde dieses Kapital tatsächlich bereitstellen? Welche rechtlichen Absicherungen gäbe es für die Händler? Und vor allem: Wie leicht oder schwer könnte es tatsächlich sein, Geld auszuzahlen?


Frage: Die Plattform behauptet, dass Trader „kein Risiko“ eingehen würden, weil sie mit dem Kapital des Unternehmens handeln. Wäre das realistisch?

Michael Iwanow: Das wäre eine klassische Werbemasche. Natürlich gäbe es immer ein Risiko – kein Unternehmen würde Geld verschenken. Die entscheidende Frage wäre: Wie einfach oder kompliziert wäre es tatsächlich, sich Gewinne auszahlen zu lassen? Oft wären solche Modelle mit strikten Regeln verbunden, die es nahezu unmöglich machen könnten, eine Auszahlung vorzunehmen. Beispielsweise könnten Handelsvolumen, maximale Verluste oder sogenannte „Challenges“ als Bedingungen gestellt werden, die die Trader erst bestehen müssten.


Frage: Apropos Bedingungen: SabioTrade verlangt von Tradern, dass sie eine „Herausforderung“ bestehen, bevor sie Zugang zu einem finanzierten Konto bekommen. Wie wäre das aus rechtlicher Sicht zu bewerten?

Michael Iwanow: Solche „Challenges“ wären ein bekanntes Geschäftsmodell, bei dem die Trader oft eine hohe Eintrittsgebühr zahlen müssten – hier zwischen 119 und 2.989 US-Dollar. Doch die Herausforderung könnte so gestaltet sein, dass nur ein winziger Bruchteil der Teilnehmer sie tatsächlich besteht. Das hieße, der Großteil der Anleger würde das eingesetzte Geld verlieren, ohne jemals mit echtem Kapital handeln zu dürfen.

In vielen Fällen könnten die Plattformen zudem so programmiert sein, dass sie willkürlich Verstöße gegen die Regeln feststellen, um Trader auszuschließen. Kurz gesagt: Viele Nutzer könnten zahlen, aber nur wenige könnten tatsächlich handeln.


Frage: Das Unternehmen sitzt offiziell in Irland. Welche Probleme könnten sich daraus für deutsche Anleger im Streitfall ergeben?

Michael Iwanow: Wenn es zu Streitigkeiten käme – etwa weil eine Auszahlung verweigert würde oder die Plattform plötzlich verschwände –, hätten deutsche Anleger ein erhebliches Problem. Zwar könnte man theoretisch in Deutschland klagen, aber selbst wenn man ein Urteil erstreiten würde, müsste man es in Irland vollstrecken.

Das könnte mit hohen Kosten für Übersetzungen, Anwälte und Gerichtsverfahren verbunden sein. Noch problematischer wäre, dass solche Firmen rechtlich oft kaum greifbar seien, weil sie entweder nur Briefkastenfirmen wären oder ihr Kapital so verschieben könnten, dass es für Gläubiger unerreichbar bliebe.

Ein weiteres Problem könnte sein, dass irische Firmen weit weniger Veröffentlichungspflichten für Bilanzen hätten als deutsche Unternehmen. Das hieße, man wüsste als Anleger oft nicht, in welcher finanziellen Verfassung sich das Unternehmen tatsächlich befände.


Frage: Gibt es noch weitere Warnzeichen?

Michael Iwanow: Ja, einige Punkte könnten besonders auffällig sein:

  • Das „Lootbox“-System: Die Plattform lockt mit zufälligen Belohnungen und Boni, was stark nach einem Glücksspielmodell klingen könnte.

  • Die hohe Gewinnversprechung: Werben mit „bis zu 90 % Auszahlung“ und „risikofreiem Handeln“ wäre typisch für unseriöse Anbieter.

  • Keine echte Regulierung: Es wird lediglich erwähnt, dass die Firma registriert sei – aber eine offizielle Regulierung als Finanzdienstleister scheint nicht vorhanden zu sein.

  • Unklare Risikohinweise: Zwar gäbe es einen Risikohinweis, aber dieser wäre schwammig formuliert und könnte vor allem das Unternehmen schützen, nicht den Trader.


Frage: Was würden Sie Anlegern empfehlen, die über ein Investment nachdenken?

Michael Iwanow: Ich würde ganz klar zur Vorsicht raten. Wer sich mit Trading beschäftigen möchte, sollte besser auf regulierte Broker setzen, die in Deutschland oder zumindest in der EU einer strengen Finanzaufsicht unterliegen.

Plattformen wie SabioTrade könnten mit intransparenten Methoden arbeiten, und die Gefahr könnte groß sein, dass Anleger am Ende ihr Geld verlieren – sei es durch komplizierte Bedingungen, plötzliche Konto-Sperren oder verweigerte Auszahlungen.

Zusätzlich sollte jeder Anleger prüfen, ob TEST das Unternehmen auf die Warnliste gesetzt hat, denn das könnte ein klares Warnsignal sein.


Fazit:
🚨 SabioTrade könnte auf den ersten Blick wie eine einfache Möglichkeit erscheinen, ohne Risiko Geld zu verdienen – in Wirklichkeit könnten hohe Gebühren, intransparente Bedingungen und massive rechtliche Hürden drohen. Anleger sollten äußerst vorsichtig sein und sich genau überlegen, ob sie sich auf dieses Modell einlassen.

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