Home Wissenswertes „Identitätsdiebstahl und unerlaubte Finanzangebote – Was Anleger jetzt wissen müssen“
Wissenswertes

„Identitätsdiebstahl und unerlaubte Finanzangebote – Was Anleger jetzt wissen müssen“

Share
salt lake city, utah, rocky mountains, salt lake city, utah, utah, utah, utah, utah
Share

Ein Interview mit Rechtsanwalt Michael Iwanow

Herr Iwanow, die BaFin hat jüngst vor betrügerischen Websites wie anlagerepublik.de und strunz-kapital.com gewarnt. Wie kommen solche Warnmeldungen zustande?

Michael Iwanow: Die BaFin erhält Hinweise auf unseriöse oder betrügerische Finanzangebote auf verschiedenen Wegen. Oft melden sich betroffene oder misstrauische Anleger direkt bei der Behörde, wenn ihnen ein Angebot fragwürdig erscheint. Zudem betreibt die BaFin eigene Marktüberwachungen und arbeitet mit Strafverfolgungsbehörden sowie internationalen Finanzaufsichten zusammen. Sobald genügend belastbare Hinweise vorliegen – etwa dass eine Plattform ohne Erlaubnis Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen anbietet oder Identitätsdiebstahl vorliegt –, erlässt die BaFin eine offizielle Warnung gemäß § 37 Abs. 4 Kreditwesengesetz.

Was bedeutet es, wenn die BaFin von „Identitätsdiebstahl“ spricht, wie im Fall der Website anlagerepublik.de?

Iwanow: Beim Identitätsdiebstahl missbrauchen Betrüger die Namen und Daten existierender, seriöser Finanzdienstleister, um Anleger in Sicherheit zu wiegen. Im Fall von anlagerepublik.de wird suggeriert, die Quade Finanzkontor GmbH stecke hinter dem Angebot – das ist nachweislich falsch. Betrüger nutzen so das Vertrauen in ein reguliertes Unternehmen, um Anleger zu täuschen.

Welche Risiken bestehen für Anleger, die auf solche Angebote hereinfallen?

Iwanow: Die Risiken sind erheblich. Wer Geld an solche Anbieter überweist, muss in der Regel davon ausgehen, dass es verloren ist. Oft werden hohe Renditen versprochen, um Anleger zum schnellen Handeln zu bewegen. Doch sobald das Geld überwiesen ist, ist es meist nicht mehr auffindbar – die Betreiber sitzen oft im Ausland oder agieren über verschleierte Netzwerke. Ein weiteres Risiko besteht in der Weitergabe persönlicher Daten, die für weitere Betrügereien genutzt werden könnten.

Was sollten Anleger tun, die bereits investiert haben? Gibt es eine Chance, das Geld zurückzubekommen?

Iwanow: Betroffene sollten umgehend handeln:

  1. Strafanzeige erstatten: Die Polizei und die Staatsanwaltschaft sind die richtigen Ansprechpartner für Betrugsfälle.
  2. Bank kontaktieren: Falls eine Überweisung erfolgt ist, kann man versuchen, die Transaktion rückgängig zu machen. Die Erfolgsaussichten sind aber oft gering, insbesondere bei Zahlungen ins Ausland.
  3. Rechtsbeistand einholen: Ein erfahrener Anwalt kann prüfen, ob zivilrechtliche Schritte möglich sind – etwa ob Banken oder Zahlungsdienstleister in die Haftung genommen werden können.
  4. BaFin informieren: Jede Meldung hilft, andere Anleger zu schützen und Ermittlungen voranzutreiben.

Wie können sich Anleger vor solchen Betrugsfällen schützen?

Iwanow: Skepsis ist das wichtigste Schutzmittel. Anleger sollten immer überprüfen, ob ein Anbieter eine BaFin-Lizenz hat – dies kann man in der Unternehmensdatenbank der BaFin nachsehen. Unseriöse Angebote erkennt man oft an unrealistisch hohen Renditeversprechen, fehlendem Impressum oder der Aufforderung, sensible Daten per E-Mail zu übermitteln. Auch ein Anruf beim vermeintlichen Unternehmen kann Klarheit schaffen: Wenn eine Bank oder Finanzfirma von einem vermeintlichen Angebot nichts weiß, sollte man sofort Abstand nehmen.

Halten Sie gesetzliche Verschärfungen für notwendig, um solche Betrügereien einzudämmen?

Iwanow: Es gibt bereits strenge Regeln, aber Betrüger werden immer raffinierter. Eine bessere internationale Zusammenarbeit der Behörden wäre wünschenswert, um Geldflüsse effektiver nachzuverfolgen. Zudem könnte die BaFin mit mehr Befugnissen ausgestattet werden, um schneller gegen dubiose Websites vorzugehen, etwa durch automatisierte Sperrmechanismen für betrügerische Finanzseiten.

Herr Iwanow, vielen Dank für das Gespräch!

Share

Leave a comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Related Articles
light bulb moment, bright idea, innovation, creativity, business, aha, lightbulb, innovation, innovation, innovation, innovation, innovation, aha, aha
Wissenswertes

GbR Anteile als Investment

**Anteile an einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) als Investment bieten Chancen, aber...

Wissenswertes

Kommanditanteile als Investment

Kommanditanteile sind eine Form der Beteiligung an einer Kommanditgesellschaft (KG) und stellen...

Wissenswertes

Genussrechte

Genussrechte sind eine spezielle Form von Beteiligung an einem Unternehmen, die zwischen...

Wissenswertes

Anleiheninvestments

Anleiheninvestments beinhalten für Anleger mehrere Risiken, die je nach Art der Anleihe...