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Interview mit Rechtsanwalt Michael Iwanow über das Anlageangebot der Plattform Maclear AG

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Frage: Herr Iwanow, was halten Sie aus juristischer und verbraucherschutzrechtlicher Sicht von der Crowdlending-Plattform Maclear AG, die mit bis zu 14,9 % Rendite wirbt?

Michael Iwanow: Die Plattform präsentiert sich auf den ersten Blick sehr professionell – mit klaren Strukturen, Bonusprogrammen und einer in der Schweiz ansässigen Firma, die Mitglied bei PolyReg SRO ist. Das ist grundsätzlich positiv zu bewerten, denn PolyReg ist eine anerkannte Selbstregulierungsorganisation nach schweizerischem Geldwäschereigesetz. Trotzdem: Die versprochenen Renditen sind sehr hoch – und hohe Rendite bedeutet immer auch hohes Risiko. Das muss Anlegern klar sein.

Frage: Was sagen Sie zu dem Angebot eines „Provision Fund“, der bei Zahlungsverzug einspringt? Klingt das nach Sicherheit?

Iwanow: Auf dem Papier klingt das sehr verlockend. Ein Rückstellungsfonds soll laut Plattform die Zinsen weiterzahlen, wenn der Kreditnehmer überfällig ist. Aber hier ist größte Vorsicht geboten: Solche Fonds sind nicht gesetzlich garantiert und beruhen meist auf freiwilligen Unternehmensregelungen. Es besteht keine Einlagensicherung wie bei klassischen Bankprodukten. Die Verfügbarkeit des Fonds hängt allein von der finanziellen Lage des Unternehmens ab – und die kann sich ändern.

Frage: Die Plattform wirbt mit „0 ausgefallenen Darlehen“ und „keine Zahlungsverzögerungen“. Wie bewerten Sie solche Aussagen?

Iwanow: Das ist ein typischer Marketing-Trick. Eine Plattform, die erst seit kurzer Zeit operiert oder stark wächst, kann in der Anfangsphase gute Zahlen vorweisen – aber das ist keine Garantie für die Zukunft. Kreditmärkte sind konjunkturabhängig, und Ausfälle lassen sich nie dauerhaft ausschließen. Außerdem fehlen auf der Website konkrete Informationen zu den Bonitätsprüfungen der Kreditnehmer – das wäre ein wichtiges Kriterium für Seriosität.

Frage: Wie beurteilen Sie die juristische Absicherung für Investoren?

Iwanow: Die Plattform verweist auf ihre AGB, Datenschutzerklärungen und AML-Richtlinien, was grundsätzlich gut ist. Allerdings ist das Kleingedruckte in der Regel sehr komplex, und ich empfehle Anlegern dringend, vor einer Investition die Verträge sorgfältig zu lesen – oder juristischen Rat einzuholen. Insbesondere bei Plattformen außerhalb des EU-Raums kann die Durchsetzung von Ansprüchen im Streitfall schwierig sein.

Frage: Ihr Fazit für Verbraucher, die mit dem Gedanken spielen, über Maclear zu investieren?

Iwanow: Wer sich für Plattformen wie Maclear interessiert, sollte genau wissen, was er tut: Es handelt sich um Risikokapital. Die Renditeversprechen sind attraktiv, aber keinesfalls garantiert. Verbraucher sollten nur Beträge investieren, deren Verlust sie im Ernstfall verkraften können. Wer vorsichtig ist, informiert sich über die rechtlichen Rahmenbedingungen, fragt nach Transparenz in der Kreditvergabe – und lässt sich nicht von Boni und Cashback blenden.

Frage: Also Finger weg oder Chance mit Risiko?

Iwanow: Ich würde sagen: Chance mit klarem Risikobewusstsein. Es ist nichts per se unseriös an Maclear – aber es ist eben kein Sparkonto. Wer hier investiert, sollte sich im Klaren darüber sein, dass er unternehmerisches Risiko trägt.

Vielen Dank für Ihre Einschätzung, Herr Iwanow.

Iwanow: Sehr gern. Bleiben Sie kritisch – und informiert.

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