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Interview mit Rechtsanwalt Michael Iwanow: „Wer Geld anlegen will, sollte erst prüfen, dann investieren“

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Interviewer: Herr Iwanow, die BaFin hat aktuell vor mehreren Webseiten gewarnt, darunter zinsvergleich-49.de, festgeldanlagen-vergleich.de und emexfunding.org. Was macht diese Fälle so brisant?

Rechtsanwalt Michael Iwanow: Das Besondere an diesen Fällen ist die systematische Täuschung. Es handelt sich um Plattformen, die gezielt Verbraucherinnen und Verbraucher ansprechen – mit angeblich attraktiven Festgeldangeboten oder Investitionen in Kryptowährungen. Die Webseiten sind gut gemacht, wirken seriös, doch die Anbieter dahinter haben keine Erlaubnis für Finanz- oder Kryptodienstleistungen. Teilweise wird sogar mit dem Namen großer Konzerne wie der Allianz geworben, um Vertrauen zu erzeugen. Das ist Identitätsmissbrauch und aus juristischer Sicht hochproblematisch.

Interviewer: Viele Menschen fragen sich: Wie kann man solche Seiten überhaupt erkennen? Die sehen oft professionell aus.

Iwanow: Genau das ist das Gefährliche. Die Seiten wirken optisch einwandfrei, mit Logos, TÜV-Siegeln, Kontaktformularen – aber sie nutzen die äußere Hülle, um zu täuschen. Es gibt ein paar einfache Prüfmechanismen: Steht im Impressum eine echte Firma mit Sitz und Handelsregistereintrag? Gibt es eine BaFin-Zulassung? Und: Ist das Angebot realistisch? Wenn jemand Festgeld mit 6, 8 oder gar 10 Prozent Zinsen verspricht, sollte man nicht investieren, sondern recherchieren.

Interviewer: Was würden Sie einem Verbraucher raten, der bereits Geld an eine solche Plattform überwiesen hat?

Iwanow: Wichtig ist: Keine Panik, aber sofort handeln. Erstens: Die eigene Bank kontaktieren und versuchen, die Überweisung zu stoppen oder rückgängig zu machen. Zweitens: Strafanzeige bei der Polizei oder beim LKA erstatten – je früher, desto besser. Drittens: Nichts mehr unterschreiben oder installieren, auch wenn der Anbieter weiteren Kontakt aufnimmt. Einige dieser Plattformen versuchen sogar, Fernwartungssoftware auf den Rechnern der Opfer zu installieren. Und viertens: Bei Unsicherheit unbedingt anwaltlichen Rat einholen, um mögliche Rückforderungsansprüche zu prüfen und Beweise zu sichern.

Interviewer: Was macht die Täter so schwer zu fassen?

Iwanow: In vielen Fällen sitzen die Betreiber im Ausland, nutzen verschleierte Server und wechseln regelmäßig ihre Domainnamen. Emexfunding.org ist ein gutes Beispiel – zuvor war es emexfunding.com. Sobald eine Seite zu auffällig wird oder gesperrt wird, geht es unter neuem Namen weiter. Das bedeutet: Auch wenn die BaFin und Strafverfolgungsbehörden aktiv sind, müssen Verbraucher selbst besonders wachsam sein.

Interviewer: Gibt es eine Faustregel, wie man sich als Anleger schützen kann?

Iwanow: Ja – ganz klar: Erst prüfen, dann investieren. Wer online Geld anlegen will, sollte sich die Zeit nehmen, das Angebot zu hinterfragen. Ist die Firma bei der BaFin registriert? Gibt es Erfahrungsberichte oder Warnmeldungen? Stimmen Impressum und Kontaktdaten? Und ganz wichtig: Kein Geld überweisen, wenn man auch nur ein schlechtes Bauchgefühl hat. Es ist keine Schwäche, vorsichtig zu sein – sondern heute leider notwendig.

Interviewer: Herr Iwanow, vielen Dank für Ihre klaren Worte und Ihre Einschätzung.

Rechtsanwalt Michael Iwanow: Sehr gerne. Ich sage immer: Nicht blenden lassen – sondern informieren, vergleichen und notfalls rechtzeitig stoppen. Nur so lässt sich Schaden abwenden.

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