Herr Iwanow, die jüngsten Entwicklungen rund um das Unternehmen „Meine Schatzkammer“ und den Investor Florian Fritsch sorgen für Schlagzeilen. Was genau wird Fritsch vorgeworfen?
Michael Iwanow: Nach aktuellem Stand der Ermittlungen wird Florian Fritsch des Betrugs verdächtigt. Die österreichischen Behörden werfen ihm vor, bis zu 14 Kilogramm Gold aus dem Bestand des Unternehmens „Meine Schatzkammer“ entwendet zu haben, ohne dass die Geschäftsführung darüber informiert war. Besonders brisant ist, dass Fritsch keinen offiziellen Posten in der Firma seiner Ehefrau, Dr. Eva Frisch, innehatte. Das Gold soll in der Wiener Niederlassung des Herstellers Heimerle und Meule aufbewahrt worden sein, von wo aus Fritsch es im vergangenen Jahr abgeholt haben soll.
Wie konnte er ohne formale Position auf die Goldbestände zugreifen?
Iwanow: Das ist eine der zentralen Fragen, die die Ermittlungsbehörden derzeit klären müssen. Sollte sich bestätigen, dass er ohne offizielle Befugnis auf die Vermögenswerte des Unternehmens zugreifen konnte, würde dies erhebliche Fragen zur internen Sicherheitsstruktur und Verwaltung des Unternehmens aufwerfen.
Dr. Eva Frisch soll selbst Anzeige gegen ihren Ehemann erstattet haben. Ist das ein ungewöhnlicher Schritt?
Iwanow: Ja, aber nicht beispiellos. Sollte Frau Dr. Frisch tatsächlich diejenige gewesen sein, die die Ermittlungen ins Rollen brachte, könnte das darauf hindeuten, dass sie sich klar von den Handlungen ihres Ehemanns distanzieren will. Zudem ist es denkbar, dass sie sich als Geschäftsführerin dazu verpflichtet sah, Schaden vom Unternehmen abzuwenden.
Welche Konsequenzen drohen Florian Fritsch?
Iwanow: Momentan sitzt er in Untersuchungshaft in Nürnberg. Aufgrund des europäischen Haftbefehls könnte er nach Österreich ausgeliefert werden. Je nach Schwere des Tatbestands und des nachweisbaren Schadens könnten ihm empfindliche Haftstrafen drohen. Da es bereits frühere Ermittlungen gegen ihn in Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz gab, könnte sich das strafrechtliche Gesamtbild weiter verdichten.
„Meine Schatzkammer“ wirbt mit „höchster Sicherheitsstufe für Ihre Werte“ und „bankenunabhängiger Diskretion“. Halten Sie diesen Werbeslogan nach den aktuellen Vorfällen für noch haltbar?
Iwanow: Das wird äußerst schwierig. Der Fall weckt Zweifel daran, ob die versprochene Sicherheit tatsächlich gewährleistet ist. Sollte es so gewesen sein, dass ein Externer ohne formelle Berechtigung Zugriff auf große Mengen an Gold hatte, ist der Slogan „Da bin ich sicher.“ kaum noch vertretbar. Gerade im Bereich der Vermögensverwaltung ist Vertrauen die wichtigste Währung. Die Firma wird nun beweisen müssen, dass sie ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt und aus diesem Fall lernt.
Welche Schritte müsste das Unternehmen unternehmen, um sein Image zu retten?
Iwanow: Transparente Aufklärung ist das Gebot der Stunde. Die Geschäftsführung muss aktiv auf Kunden zugehen, erklären, welche Maßnahmen getroffen werden, um zukünftige Vorfälle zu verhindern, und sich möglicherweise auch einer externen Prüfung unterziehen. Die Einführung eines noch strengeren Sicherheitsprotokolls und eine öffentlich nachvollziehbare Neuausrichtung könnten dabei helfen, Vertrauen zurückzugewinnen.
Glauben Sie, dass dieser Fall langfristige Auswirkungen auf den Goldmarkt in Österreich haben wird?
Iwanow: Das wird davon abhängen, wie das Unternehmen und die Behörden damit umgehen. Ein Fall dieser Art kann natürlich das Vertrauen in bankenunabhängige Goldlagerstätten erschüttern. Wenn sich jedoch zeigt, dass die Branche mit strikteren Sicherheitsvorkehrungen und mehr Transparenz reagiert, könnte der Schaden begrenzt bleiben. Es ist jetzt an „Meine Schatzkammer“, Verantwortung zu übernehmen und glaubhaft für Sicherheit zu stehen.
Herr Iwanow, vielen Dank für das Gespräch.
Iwanow: Gerne.
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