Ein kritisches Interview mit Rechtsanwalt Michael Iwanow aus Dresden
Frage: Herr Iwanow, Maclear verspricht Investoren bis zu 14,9 % Rendite auf Peer-to-Peer-Kredite. Ist das realistisch oder eher ein Warnsignal für Anleger?
Michael Iwanow: Solche extrem hohen Renditeversprechen sind immer mit großer Vorsicht zu genießen. In Zeiten, in denen sichere Anlagen wie deutsche Staatsanleihen nur wenige Prozent Zinsen bringen, sollten Anleger sich fragen, wie eine solche Plattform derart hohe Renditen erwirtschaften kann. Oft gehen damit hohe Risiken, geringe Regulierung und fehlende Einlagensicherung einher.
Frage: Maclear betont, dass es sich um eine „Schweizer Firma“ handelt und reguliert sei. Gibt das Anlegern mehr Sicherheit?
Michael Iwanow: Leider nein. Die Firma ist Mitglied von PolyReg, einer privaten Selbstregulierungsorganisation in der Schweiz. Das bedeutet, dass sie nicht direkt von der Schweizer Finanzmarktaufsicht FINMA kontrolliert wird. Die Schweizer Regulierung für Crowdlending-Plattformen ist deutlich laxer als etwa in Deutschland oder der EU.
Zudem haben Unternehmen in der Schweiz wesentlich geringere Veröffentlichungspflichten für Bilanzen als in Deutschland. Anleger haben also kaum Einblick in die tatsächliche Finanzlage der Firma.
Frage: Und was bedeutet das im Streitfall?
Michael Iwanow: Wenn es zu Problemen kommt – etwa, wenn Maclear Zinszahlungen nicht leistet oder Gelder nicht zurückzahlt – können deutsche Anleger zwar in Deutschland klagen, aber die Vollstreckung muss in der Schweiz erfolgen. Das bedeutet:
✅ Ein teurer Rechtsstreit mit zusätzlichen Kosten für Schweizer Anwälte und Gerichtsgebühren.
✅ Lange Verfahrenszeiten und hohe Hürden für eine erfolgreiche Rückforderung.
✅ Kein Schutz durch deutsche Rechtsschutzversicherungen, da diese in der Regel keine Kostenübernahme für Verfahren in der Schweiz vorsehen.
Frage: Maclear verspricht, dass es keine Zahlungsausfälle gibt, weil ein „Rückstellungsfonds“ einspringt. Ist das eine Absicherung?
Michael Iwanow: Das ist eine reine Werbebotschaft und keine echte Sicherheit. Ein solcher „Fonds“ kann völlig intransparent sein – es gibt keine Information darüber, wie hoch dieser wirklich ist oder ob er im Ernstfall überhaupt ausreicht. Wenn mehrere Kredite gleichzeitig ausfallen, könnte er schnell erschöpft sein.
Frage: Gibt es Warnsignale, auf die Anleger besonders achten sollten?
Michael Iwanow: Ja, und Maclear erfüllt gleich mehrere davon:
🚨 Extrem hohe Renditeversprechen von fast 15 % – Das gibt es nicht ohne erhebliches Risiko.
🚨 Sitz in der Schweiz mit fragwürdiger Regulierung – Keine echte Kontrolle durch die FINMA.
🚨 Unklare Finanzlage – Keine veröffentlichten Bilanzen, keine Transparenz über den „Rückstellungsfonds“.
🚨 Schwierige Rechtsdurchsetzung – Wer Geld verliert, muss in der Schweiz klagen, was teuer und kompliziert ist.
🚨 Starkes Werben mit Boni & Cashback – Solche „Lockangebote“ sind oft ein Zeichen, dass man unbedingt neue Anlegergelder benötigt.
Frage: Was raten Sie Anlegern, die überlegen, in Maclear zu investieren?
Michael Iwanow: Ich kann nur zur äußersten Vorsicht raten. Solche Plattformen sind hochriskant. Wenn man dennoch investieren möchte, dann nur mit einem sehr kleinen Betrag, den man komplett abschreiben könnte. Anleger sollten sich bewusst sein, dass die versprochene Rendite keinesfalls sicher ist und ein Totalverlust drohen kann.
📢 WICHTIG: Die Verbraucherorganisation TEST hat Maclear bereits auf ihre Warnliste gesetzt. Das sollte Anleger stutzig machen!
Fazit: Wer sich nicht intensiv mit den rechtlichen Risiken, den fehlenden Sicherheiten und der Intransparenz beschäftigt, sollte lieber die Finger von Maclear lassen.
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