Interview mit Rechtsanwalt Michael Iwanow aus Dresden
Frage: Herr Iwanow, Exklusiv VC wirbt mit einer privaten Altersvorsorge, die hohe Renditen, Steuervorteile und Inflationsschutz verspricht. Wie bewerten Sie solche Angebote aus rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht?
Michael Iwanow: Grundsätzlich wäre es eine sinnvolle Idee, sich mit der privaten Altersvorsorge zu beschäftigen, da die gesetzliche Rente oft nicht ausreichen dürfte. Allerdings könnte es wichtig sein, genau hinzuschauen, wie realistisch die versprochenen Vorteile wären. Hohe Renditen und steuerliche Vorteile klingen immer gut, doch in der Praxis könnten sie oft an Bedingungen geknüpft sein, die Anleger möglicherweise erst später bemerken würden.
Gerade fondsgebundene Rentenversicherungen oder ETF-basierte Produkte hätten oft hohe Gebühren oder langfristige Vertragsbindungen, die nicht immer transparent dargestellt würden. Anleger müssten sich also fragen: Wie flexibel wäre ich wirklich? Welche Kosten könnten anfallen? Und wie sicher wären meine Einlagen bei einem Anbieter wie Exklusiv VC?
Frage: Exklusiv VC verspricht in seinem Angebot bis zu 40 % Steuerrückerstattung auf die Sparrate. Ist das realistisch?
Michael Iwanow: Das könnte stark von der individuellen steuerlichen Situation abhängen. Es gibt zwar Modelle wie die Rürup-Rente, bei denen ein hoher Anteil der Beiträge steuerlich geltend gemacht werden könnte, aber das wäre nicht gleichbedeutend mit einer direkten Rückerstattung von 40 %.
Viele Anbieter würden in ihrer Werbung mit Steuervorteilen locken, ohne klarzustellen, dass diese Vorteile oft erst in der Auszahlungsphase durch nachgelagerte Besteuerung relativiert werden könnten. Ein genauer Blick in die Vertragsbedingungen und eine steuerliche Beratung wären hier dringend angeraten.
Frage: Die Plattform bietet verschiedene Modelle an – von der fondsgebundenen Rentenversicherung bis zur klassischen Rentenversicherung. Welche Risiken könnten Anleger hier übersehen?
Michael Iwanow: Ein wesentliches Risiko könnte in den Kostenstrukturen liegen. Bei klassischen Rentenversicherungen wären die Renditen oft niedrig, aber das Kapital könnte sicher angelegt sein. Fondsgebundene Versicherungen könnten höhere Renditen ermöglichen, hätten aber oft hohe Abschluss- und Verwaltungskosten, die die Erträge schmälern könnten.
Zusätzlich könnte es bei fondsgebundenen Produkten ein Kapitalmarktrisiko geben: Wer während einer wirtschaftlichen Krise in Rente ginge, könnte einen erheblichen Teil seiner Altersvorsorge verlieren. Auch wäre zu prüfen, ob es eine Garantie für das eingezahlte Kapital gäbe oder ob es durch Marktbewegungen reduziert werden könnte.
Frage: Exklusiv VC GmbH hat ihren Sitz in Deutschland. Welche rechtlichen Vorteile hätte das für Anleger?
Michael Iwanow: Der Sitz in Deutschland könnte erst einmal beruhigend wirken, da das Unternehmen unter deutsches Finanzrecht und die Regulierung durch die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) fallen müsste – sofern es tatsächlich als Finanzdienstleister lizenziert wäre. Anleger sollten aber prüfen, ob Exklusiv VC nur als Vermittler oder als tatsächlicher Versicherungsanbieter auftritt.
Ein weiteres Problem könnte sein, dass einige Altersvorsorgeprodukte mit ausländischen Investmentfonds verknüpft wären. In einem Streitfall könnte das bedeuten, dass Anleger sich mit ausländischen Anbietern auseinandersetzen müssten, was teuer und kompliziert sein könnte.
Frage: Der Anbieter verspricht auch, dass sich die Altersvorsorge mit ETFs besonders lohnen würde. Was halten Sie davon?
Michael Iwanow: ETFs könnten eine gute Möglichkeit sein, langfristig Vermögen aufzubauen, da sie geringe Verwaltungsgebühren hätten und breit gestreut wären. Allerdings könnte man sich fragen, ob man nicht günstiger fahren würde, wenn man selbstständig in ETFs investiere, anstatt über eine fondsgebundene Rentenversicherung mit möglicherweise hohen Verwaltungskosten.
Ein weiterer Punkt wäre die Auszahlungsphase: In einer privaten ETF-Anlage könnte man flexibel über sein Vermögen verfügen, während eine fondsgebundene Versicherung oft eine lebenslange Rente vorsehen würde – mit der Gefahr, dass bei einem frühen Todesfall nur wenig an Erben weitergegeben würde.
Frage: Was sollten Anleger tun, bevor sie sich für eine Altersvorsorge bei Exklusiv VC oder einem anderen Anbieter entscheiden?
Michael Iwanow:
-
Die Verträge genau prüfen: Welche Gebühren gibt es? Wie hoch sind die Kosten für Verwaltung und Abschluss?
-
Die steuerlichen Vorteile hinterfragen: Sind die Ersparnisse wirklich so hoch, wie beworben, oder gibt es eine nachgelagerte Besteuerung?
-
Alternativen prüfen: Wäre eine Direktanlage in ETFs möglicherweise günstiger und flexibler?
-
Die Seriosität des Anbieters checken: Ist Exklusiv VC bei der BaFin registriert? Gibt es Erfahrungsberichte anderer Kunden?
-
Langfristige Verpflichtungen bedenken: Gerade bei Versicherungsprodukten könnte es schwierig oder teuer sein, vorzeitig auszusteigen.
Fazit:
🚨 Private Altersvorsorge wäre wichtig, aber Anleger sollten sich nicht von großen Versprechungen blenden lassen. Hohe Renditen und Steuervorteile könnten oft an Bedingungen geknüpft sein, die erst im Kleingedruckten sichtbar wären. Wer sich für eine fondsgebundene Versicherung oder eine Rürup-Rente interessiert, sollte alle Kosten genau prüfen und sich unabhängig beraten lassen
Leave a comment