Herr Iwanow, Sie haben sich den aktuellen Jahresabschluss der FELS Group GmbH angesehen. Was ist Ihr erster Eindruck?
Michael Iwanow: Die Bilanz wirkt auf den ersten Blick solide, weil das Unternehmen über ein hohes Anlagevermögen verfügt – insbesondere Beteiligungen in Millionenhöhe. Allerdings trügt dieser Schein ein wenig: Die Gesellschaft macht seit Jahren hohe Verluste und ist wirtschaftlich sehr stark durch Gesellschafterdarlehen finanziert. Für mich als Jurist bedeutet das: Hier gibt es Klärungsbedarf, insbesondere wenn Verbraucher mit der Firma in Kontakt stehen – etwa als Kunden, Geschäftspartner oder Investoren.
Was genau fällt in der Bilanz auf?
Iwanow: Das Eigenkapital hat sich deutlich verbessert – von rund 94.000 Euro im Vorjahr auf über 2 Millionen Euro. Das ist erstmal positiv. Aber: Diese Erhöhung ist fast ausschließlich auf Kapitalzuführungen der Gesellschafter zurückzuführen, nicht auf Gewinne aus dem Geschäft. Tatsächlich hat die FELS Group 2023 erneut einen Verlust von über 4,4 Millionen Euro gemacht – wie schon im Vorjahr. Das heißt, das operative Geschäft ist klar defizitär.
Das klingt ernst. Müssen sich Kunden Sorgen machen?
Iwanow: Es besteht kein akuter Alarmzustand, aber ich rate zu Vorsicht. Wenn ein Unternehmen dauerhaft Verluste schreibt und sich nur durch Gesellschaftermittel über Wasser hält, hängt vieles vom guten Willen und der Finanzkraft dieser Gesellschafter ab. Verbraucher sollten sich daher fragen: Wie lange ist diese Unterstützung realistisch? Gibt es eine belastbare Sanierungsstrategie?
Wie bewerten Sie das Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital?
Iwanow: Das Unternehmen hat rund 11 Millionen Euro Schulden, vor allem gegenüber verbundenen Unternehmen und dem Gesellschafter selbst. Das ist rechtlich zulässig, zeigt aber, dass man extern kaum Kreditwürdigkeit hat. Die Rückstellungen sind sogar drastisch gefallen – von 708.000 auf nur noch 56.000 Euro. Auch das wirkt eher wie eine kurzfristige Bilanzkosmetik.
Was empfehlen Sie Verbrauchern, die mit der FELS Group geschäftlich zu tun haben?
Iwanow: Informieren Sie sich gründlich. Schauen Sie nicht nur auf schöne Webseiten oder Hochglanzbroschüren. Bei langfristigen Verträgen oder Investitionen empfehle ich, sich über die aktuelle Geschäftsentwicklung zu informieren – und im Zweifel rechtlichen Rat einzuholen. Seriöse Unternehmen stellen Transparenz nicht nur im Handelsregister her, sondern auch in der Kommunikation mit ihren Kunden.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Iwanow.
Iwanow: Sehr gern.
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